Open Innovation – englisch für “Offene Innovation” – ist eine bei Unternehmen immer beliebter werdende Form des Innovationsmanagements und der Produktentwicklung. Dabei werden ausgewählte Experten, Personengruppen oder die Allgemeinheit an der Entwicklung einer Lösung offen beteiligt. Das Ergebnis sind deutlich nachhaltigere und vielfältigere Lösungsansätze, die schneller in die Umsetzung gehen können. 
 

Trendthema Open Innovation – in diesem Text erfährst Du:
 
  • Warum ist Open Innovation heute so wichtig?
  • Was bedeutet eigentlich “Open Innovation”?
  • Welche Beispiele für gelungene Open Innovation gibt es?
  • Welche Vor- und Nachteile bietet Open Innovation?
  • Fazit: Open Innovation ist eine echte Alternative
     

Was bedeutet eigentlich Open Innovation?

Noch vor einigen Jahren entwickelten Unternehmer ohne direktes Kunden-Feedback ein Produkt, brachten es auf einen analogen Markt mit “anfassbaren” Kunden und konnten oftmals viele Jahre sehr gut daran verdienen. Häufig auch ganz ohne den Druck, es schnell optimieren zu müssen oder die Kunden an ein Konkurrenzprodukt zu verlieren.

Im Jahr 2021 sieht das schon ganz anders aus: Die VerbraucherInnen von heute haben hohe Ansprüche, verschiedenste Bedürfnisse und immer weniger Geduld. Neben transparenten Informationen zur Produktion soll das Produkt oder die Dienstleistung möglichst individuell und immer schnell verfügbar sein. Alles kann im Internet jederzeit hinsichtlich Preis, Qualität und Service verglichen werden. Und als wäre das nicht schon genug, kommen mit Themen wie dem Klimawandel, der Digitalisierung oder erschwerte Bedingungen durch Pandemien wie COVID-19 noch einmal neue Herausforderungen auf die Verantwortlichen dazu.

Doch keine Angst: Dieser Text soll keine Dystopie werden – im Gegenteil. Denn überall dort, wo sich neue Herausforderungen auftun, kommen immer auch neue technische Möglichkeiten und wegweisende Lösungswege hinzu. Umso spannender ist also die Frage: Wie gehen die Verantwortlichen rund um den Globus mit dem steigenden Innovationsdruck und immer schnelleren Produktlebenszyklen um? 
 

Was bedeutet eigentlich Open Innovation?

Während einige Unternehmen ihre Lösungsansätze und Produktstrategien immer noch wie einen wertvollen Schatz hüten, gehen zunehmend mehr Marken einen gegenteiligen Weg: Sie öffnen ihre Prozesse, Ideen und Infrastrukturen für Menschen außerhalb des Unternehmens. So suchen sie nach neuen Ansätzen oder Denkweisen. Diesen Vorgang bezeichnet man im Allgemeinen als “Open Innovation”. Dies ist eine offene Innovationsfindung, die von erfahrenen Experten über kreative Talente bis hin zu komplett Außenstehenden wie Kunden auf vielen verschiedenen Schultern verteilt wird.  

Open Innovation Erfinder und Trendsetter Henry Chesbrough
“Erfunden” wurde das Open Innovation Konzept in Amerika. Hier schrieb der Wirtschaftswissenschaftler Henry Chesbrough 2003 den Bestseller “Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology” – und sorgte damit für einen Mind-Shift bei Unternehmens-Verantwortlichen rund um den Globus. Statt Angst vor Ideenklau oder einem möglichen Kontrollverlust zu haben, suchten die Unternehmen den Weg nun an die “Öffentlichkeit” und holten sich ganz gezielt Know-how von außen.

Im Kern lässt sich das Konzept von Henry Chesbrough in einem Satz zusammenfassen:

„Man erhält schnellere, bessere und marktreifere Lösungen, wenn man Außenstehende mit Spezialwissen am Prozess beteiligt.“

Henry Chesbrough

“Außenstehende” können dabei Kunden, Lieferanten, Hochschulen, Start-ups, Berater, NGOs und viele mehr sein. Das kommt Dir bekannt vor? Bestimmt! Denn Konzepte wie das Crowdsourcing oder die Co-Creation gehen in eine ganz ähnliche Richtung. 
 

Verschiedene Methoden der Open Innovation

Es gibt mehrere Methoden, wie Unternehmen ihren Innovationsprozess für Außenstehende öffnen können. Sie unterscheiden sich dadurch, wie das Wissen fließen soll: Zum Empfänger hin, vom Empfänger zu den Ideengebern oder in einer Kooperation. 

Zu den beliebtesten Formen zählt der “Outside-in”-Prozess: Hier gibt der Auftraggeber nur die Problemstellung oder Frage vor – und sammelt das Wissen von Menschen außerhalb der Organisation ein. Dies kann z.B. in Form eines Ideenwettbewerbs geschehen, einer Aufgabenstellung oder als fester Auftrag für Berater oder Kreative. 

Und natürlich geht es auch andersherum: Beim “Inside-out”-Prozess wird das bereits gesammelte Wissen zu einer Fragestellung nach außen getragen, um weiterentwickelt zu werden oder (z.B. als Patent) anderen zur Verfügung gestellt wird. Häufig sind dies externe Berater oder Start-ups, mit deren Spezialwissen das Problem bearbeitet wird. 

Bei der dritten Form, dem “Coupled-Prozess”, wird eine kurz- oder langfristige Zusammenarbeit angestrebt. Dies kann mit einzelnen Experten – oder bei Open Source-Projekten – auch eine ganze Gruppe von Experten sein.

Mögliche Formen der Open Innovation können neben dem Ideenwettbewerb, z.B. Innovationsnetzwerke, Produktplattformen oder die Einbeziehung der Kunden durch Produkttests oder Umfragen sein.
 

Wie ist der Open Innovation Ablauf bei project cologne?

Jedes Unternehmen hat seine ganz eigene Art und Weise, den Open Innovation Prozess zu gestalten. Die Open Innovation bei project cologne findet in Form einer Challenge statt und hat fünf Phasen, die grundlegende Teile eines Design Thinking-Prozesses beinhalten. 

Unsere Übersicht zeigt Dir den Ablauf aller Challenge-Phasen. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, haben wir hier alle Informationen für Teilnehmer – und hier alles was Partner wissen müssen für Dich zusammengefasst.
 

Welche Beispiele für gelungene Open Innovation gibt es?

Seit der “Erfindung” des Open Innovation Modells gibt es zahlreiche Firmen weltweit, die mit der neuen Methode Einzelprojekte erfolgreich gemeistert oder sie direkt in der Firmenphilosophie verankert haben. 

Das südkoreanische Unternehmen Samsung zum Beispiel ist ein großer Fan von Open Innovation und gibt diesem Prozess viel Spielraum – außerhalb der internen F&E-Abteilung. Das Unternehmen arbeitet vor allem mit Start-ups zusammen und unterteilt seine Innovationsarbeit in vier Bereiche: Partnerschaften, Unternehmungen, Accelerator (Beschleuniger) und Akquisitionen. Durch die Zusammenarbeit mit den Start-ups schafft es Samsung, vielfältig von Innovationen zu profitieren und im besten Fall eigene Produkte sowie Services zu ergänzen und zu verbessern.

Auch LEGO gehört zu den großen Befürwortern von Open Innovation. Immer wieder hat das dänische Unternehmen – wie auch viele andere skandinavische Unternehmen – auf das Thema Open Innovation gesetzt. Dies geschieht häufig in Form von “Create & Share”-Seiten, wo Mitglieder der Community ihre Designs und Bastelideen teilen können. Zahlreiche Produkte – wie z.B. das Mini Big Bang-Theory-Set, stammen aus dieser Ideenschmiede. Hat eine Idee eine gewisse Zahl an “Likes” generiert, beginnt der gemeinsame Entwicklungsprozess.

Ein gutes Beispiel für eine interne Open Innovation ist Facebook. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley stellt immer wieder in sogenannten “Hackathons” Themen auf die Bühne und lässt die eigenen Mitarbeiter daran teilnehmen. Open Innovation bedeutet hier, dass nicht nur Entwickler oder Digitalexperten eingeladen sind: Jeder Mitarbeiter kann sich an den Fragestellungen beteiligen und seine Ideen einreichen. Erinnerst Du Dich noch an die “Pride-Flag”, die Du Deinem Profilbild hinzufügen konntest, um die LGBTQ-Community zu unterstützen? Genau – diese Idee stammt aus einem Open Innovation Prozess bei Facebook.
 

Welche Vor- und Nachteile bietet Open Innovation?

In den vergangenen Jahren nutzen immer mehr Unternehmen Open Innovation Methoden für ihren Innovationsprozess. Während die Anhänger der “Closed Innovation” darauf verweisen, dass man interne Informationen und Strategien vorschnell preisgibt und sich so einen wertvollen Vorsprung verspielt, sehen andere die Vorteile der Open Innovation:
 

  • Die Innovationskraft steigt oftmals exponentiell an – bei niedrigem Risiko
  • Unternehmen greifen auf vielfältiges Expertenwissen zu
  • Man erhält “frischen Wind” mit relativ wenig Aufwand
  • Gespartes Geld für die Entwicklung lässt sich in die Realisierung investieren
  • Der “Time-to-market” kann sich erheblich verkürzen
  • Produkte/Dienstleistungen werden von KundInnen besser aufgenommen, wenn sie am Prozess beteiligt werden.
     

Fazit: Open Innovation ist eine echte Alternative

In diesen unsicheren und schnelllebigen Zeiten stehen Unternehmen vor Herausforderungen, die agile und unkonventionelle Lösungen brauchen. Ein Innovationsmanagement, das nur auf interne Kräfte setzt, kann die nötige Innovationsgeschwindigkeit und -kraft bremsen. Auch kann es vorkommen, dass interne Produktmanager, Forscher und Entwickler in ihrem Denken manchmal festgefahren sind und frischen Input brauchen. 

Hier sind externe “Experten” – von den eigenen Kunden bis zu Hochschulen – wertvolle Sparringspartner die dem Unternehmen wertvolle Insights, Ideen und Potentiale bieten können. Wird die Methode richtig ausgewählt und der Prozess clever integriert, können innerhalb von kurzer Zeit qualitativ hochwertige und deutlich marktfähigere Ideen entwickelt werden. Ein Open Innovation Test, wie z.B. ein Ideenwettbewerb, sollte für jedes Unternehmen deshalb einen Versuch wert sein – und das Toolset des eigenen Innovations-Managements in jedem Fall ergänzen.
 

Du hast eine Frage zum Thema Open Innovation oder möchtest mit uns ein Open Innovation-Projekt starten? Unser Team ist ganz unkompliziert für Dich da: team@projectcologne.de

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